Der Riesenstein von Dahlewitz

Fingerabdrücke eines Riesen an der Dahlewitzer Friedhofmauer

Hat man je die Fingerabdrücke eines Riesen gesehen?
Obwohl kaum zu glauben, kann doch Dahlewitz mit dieser Einmaligkeit aufwarten:

Leichte Vertiefungen in einem granitenen Findling, als handelte es sich nicht um einen Stein, sondern um weichen Sauerteig eines Brotes. Als der heidnische Riese vom Kienitzberg in seinem zotteligen Schaffell, einst den Zeugen der letzten Eiszeit dort auf dem bewaldeten Hügel fand, bauten die Christen im Tal wieder einmal an ihrem Gotteshaus aus Feldsteinen, auf die sie ständig bei der Urbarmachung des Fleckens stießen.

Lagen Steine vor, die das Spalten, Behauen und Einfügen der Quader in das Mauerwerk lohnten und wenn auch noch deren farbliche Beschaffenheit stimmte, konnte der mühsame Transport durch das Gelände beginnen. Stein um Stein kam der Bauvorgang buchstäblich ins Rollen. Da aus nah und fern Helfer herbeieilten, denen die Dahlewitzer, oder wie immer sie sich nannten, auch bereits geholfen hatten, ging es allmählich voran und schließlich konnte das Kirchenschiff eingedeckt werden. Später kam der Glockenstuhl in einem Turm hinzu, der Ausblicke weit ins Land hinein ermöglichte.

Wieder einmal besaß nun eine Gemeinde ein Kirche, die dem Gottesdienst und wohl auch zum Schutz vor Feinden diente. Der Riese auf dem Kienitzberg, der um seine Kompetenz fürchten musste, schüttelte missbilligend sein Haupt, stampfte mit dem Fuß auf, schnaube zornig, seine Augen sprühten Blitze. Er holte tief Luft, und stemmte den Granitbrocken aus Skandinavien in die Höhe. „Verfluchte Kirche“ drang aus ihm heraus, bevor er ihn in die besagte Richtung schleuderte. Der Findling in den sich die Fingerabdrücke der rechten Hand des Kraftprotzes für immer eingedrückt hatten, fiel jedoch dicht neben der Kirche, auf dem Kirchhof nieder.

Dort blieb er mit einem dumpfen Ton beim Aufprall lange Zeit liegen. Er galt als heilig, da er sich dem Willen des Bösen widersetzt hatte. Den mächtigen Stein hatte die Hand des Höchsten geleitet. Er hatte niemandem etwas zugefügt. Erst als der Begräbnisplatz rund um die Kirche nicht mehr ausreichte, da Krankheiten, Seuchen und wohl auch kriegerische Auseinandersetzungen immer mehr Menschen hinwegrafften, musste er schließlich weichen. Er wurde in eine niedrige, rund um die Kirche verlaufende Feldsteinmauer, eingefügt.

Neu aufgeschrieben von Gerda Hierholzer

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